Hat der EuGH die Online-Lastschrift gekillt?

(Credit: G. Fessy @CJUE)

Dass der Europäische Gerichtshof die Deutsche Bahn dazu verdonnerte, auch Kunden außerhalb von Deutschland die Zahlung per Lastschrift ermöglichen zu müssen, könnte weitreichende Folgen haben. Experten befürchten, die Richter könnten damit nicht weniger als das Ende der Online-Lastschrift in Europa eingeläutet haben. Und das ist bitter für Shop-Betreiber und Kunden gleichermaßen. Denn laut einer Umfrage des bevh war das Zahlverfahren 2018 das am zweithäufigsten genutzte im deutschen E-Commerce. Und: Die Nutzer der Zahlart Online-Lastschrift sind der Erhebung zufolge auch die zufriedensten Kunden des Online-Handels.

„Wieder mal: gut gemeint ist nicht gut gemacht“, twitterte Martin Groß-Albenhausen vom bevh und erklärt in einem Blogpost: „Wie so häufig hat der EuGH (…) nicht berücksichtigt, dass im grenzüberschreitenden Handel zwar einheitliche Regeln erlassen werden können, die Umsetzung aber von Prozessen und Rahmenbedingungen abhängig ist, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sind.“ Laut Groß-Albenhausen könnten deutsche Händler die risikobehaftete Online-Lastschrift anbieten, weil es hierzulande Maßnahmen der Betrugsprävention gebe, die zu vertretbaren Kosten für die Bonitätsprüfung das Risiko auf ein vertretbares Maß eingrenzen. Bei EU-Ausländern bestünden diese Möglichkeiten nicht. Händler seien in jedem Fall gezwungen, deutlich höhere Kosten für die Lastschrift an EU-Ausländer zu kalkulieren, so Groß-Albenhausen weiter.

Händler können laut EuGH auch erst nach Zahlungseingang liefern

Die EuGH-Richter parieren diese Kritik mit dem Lösungsvorschlag, dass den Händlern ja freigestellt sei, die Bestellung erst nach Eingang der Zahlung auszuliefern. Doch auch dieser Ansatz springt zu kurz. Denn beim Lastschriftverfahren können Kunden dem Einzug innerhalb von acht Wochen ohne Angabe von Gründen widersprechen. In Deutschland sei die Zahlungsbereitschaft verhältnismäßig hoch, erklärt Robert Hoffmann, Chef des Zahlungsdienstleisters Concardis, gegenüber dem „Handelsblatt“. Zudem gebe es bei rückbelasteten Zahlungen etablierte Einforderungsprozesse. Dies sei im Ausland aber nicht der Fall, weil unter anderem das Forderungsmanagement in der EU nicht harmonisiert sei.

Letzten Endes bleiben den Händlern künftig drei Möglichkeiten: Sie können ganz auf das Lastschrift-Verfahren verzichten, sie können in Risikominimierung im Ausland investieren oder sie lassen über „gesicherte Lastschrift“ bezahlen. In diesem Fall übernimmt ein Payment-Anbieter das Zahlungsaufall-Risiko. Beide Varianten sind aber nicht für jedes EU-Land verfügbar. Sicher ist nur: Im Web per Lastschrift bezahlen zu lassen, wird für Händler teurer. Und das ist im Zweifel auch für Kunden keine gute Wende.