Libra: Das ist Facebooks neue Weltwährung

(Credit: Facebook)

Mark Zuckerberg will wieder einmal die Welt verbessern. Mit seinem Social Network Facebook hat das nur so mittelprächtig geklappt. Jetzt tastet sich Zuckerberg in das Terrain der Finanzmärkte vor. Mit „Libra“ will Zuckerberg nichts weniger als das Geld neu erfinden.

Statt gedruckte Noten zu produzieren, digitalisiert er Geld auf Basis von Blockchain-Technologie. In dieses können Nutzer dann ihr Bares tauschen und es in einem digitalen Geldbeutel aufbewahren und damit dann innerhalb von WhatsApp oder dem Facebook Messenger Überweisungen tätigen, einkaufen und Rabatte kassieren. Die digitalen Wallets gibt es von Facebook, aber auch von externen Anbietern. Das Echtgeld wiederum wird in Bankeinlagen und Staatsanleihen investiert. Durch die Bindung an einen Währungskorb soll der Wert des Libra-Token – anders als der Bitcoin oder Ethereum – stabil gehalten werden.

Für seine Idee hat sich Facebook prominente Rückendeckung geholt. Wie schon in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat ein Konsortium von 28Unternehmen, darunter Visa, PayPal, Mastercard, Stripe, Uber, Spotify, Ebay und Lyft, jeweils zehn Millionen Dollar gezahlt, um Mitglied zu werden. Das digitale Geld soll unter anderem den Menschen helfen, die in Ländern mit instabilen Währungen und schwach entwickelten Banken leben. Diese Zielgruppe von rund 1,7 Milliarden Menschen bekäme mit Libra Zugang zu Bankdienstleistungen, so die offizielle Verlautbarung.

Ein Schelm, wer denkt, Facebook könne daran gelegen sein, für seine Dienste WhatsApp und den Facebook Messenger ein Ökosystem wie das des chinesischen Konkurrenten WeChat aufbauen wollen – mit dem Ziel, dass die 2,4 Milliarden Facebook-Nutzer die Dienste als Fernbedienung ihres Lebens nutzen, ihren Alltag damit organisieren, ihre Einkäufe damit tätigen – und noch mehr Daten bei Facebook hinterlassen.

Doch wie groß sind die Erfolgschancen für eine neue digitale Weltwährung? Bitcoin-Enthusiast Christopher Obededer läutet schon mal das Todesglöckchen für alle anderen Währungen. „Innerhalb von fünf bis zehn Jahren könnte es sein, dass wir alle nur noch Libra verwenden“, sagte er gegenüber dem „Aktionär“. Denn der Zugang sei über die von Milliarden Menschen genutzten Plattformen wie Whatsapp, Instagram oder Facebook sei künftig spielend leicht. 

Auch Barclays sieht für Facebook ein stattliches Sümmchen voraus. Schon ein Jahr nach dem Libra-Launch könnte sich Zuckerberg demnach ein finanzielles Zubrot von stattlichen 19 Milliarden Dollar sichern. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: Die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Maxine Waters, forderte Facebook auf, die Libra-Pläne auf Eis zu legen und die Untersuchungen der Behörden abzuwarten. Mit dem an Kryptowährung angelehnte System setze Facebook seine unkontrollierte Expansion fort und erweitere seine Reichweite auf das Leben seiner Nutzer, kritisierte die Politikerin der Demokratischen Partei.