Studie: Bezahlen wird immer einfacher und kostengünstiger

(Credit: Visa)

Weil das Bezahlen immer kostengünstiger wird und immer weniger Marge einspielt, müssen Payment-Dienstleister schnellstmöglich Mehrwertdienste für ihre Kunden entwickeln, rät Bain & Company. Denn in spätestens zehn Jahren wird damit das meiste Geld verdient werden.

Die Zeiten, in denen die Zahlungsabwicklung das ureigenste Geschäft von Großbanken und Kreditkartenanbietern war, sind vorbei. Neue Player – angefangen von Apple Pay bis Grab – erkämpfen sich zunehmend Marktanteile, indem sie Payment-Lösungen für Kunden und Retailer gleichermaßen kostenlos anbieten. Ihr Geschäftsmodell: Die Bezahlangebote werden genutzt, um Kunden zu akquirieren. Und die gewonnenen Kundendaten werden über neue Services monetarisiert. Auch Kryptowährungen wie Libra setzen die angestammten Player unter Druck und sorgen dafür, dass die Gebühren für die Payment-Abwicklung unausweichlich sinken.

Die Marktmacht der neuen Player wächst: Bis zum Jahr 2022 wird die Hälfte aller Zahlungen im weltweiten Online-Handel mithilfe virtueller Geldbörsen wie Apple Pay, TransferWise oder WeChat erfolgen, schätzt der Payment-Anbieter Worldpay. In den stationären Geschäften sollen mehr als ein Viertel aller Zahlungen weltweit über E-Wallets erfolgen. Dabei wachsen die digitalen Zahlungsmittel vornehmlich auf Kosten von Bargeld, Kreditkarten und Schecks.

Grafik 1: E-Wallets gewinnen signifikant an Bedeutung

Das hat Folgen für klassische Paymentanbieter und Banken, warnt die internationale Unternehmensberatung Bain & Company in ihrer aktuellen Studie „Payments Just Want To Be Free – How Can Providers Adapt“.  Während Verbraucher in Zukunft von deutlich einfacheren und günstigeren Bezahlmethoden profitieren, müssen Banken um ihr angestammtes Geschäft bangen. 

Laut Bain belaufen sich derzeit die weltweiten Erträge im Zahlungsverkehr auf rund 830 Milliarden US-Dollar. Sie verteilen sich etwa zur Hälfte auf B2B-Transaktionen einerseits und B2C- sowie C2C-Geschäfte andererseits. Besonders lukrativ sind grenzüberschreitende Zahlungen und Geldtransfers von und zwischen Privatleuten. Hier liegt die Marge bei 3,4 Prozent beziehungsweise 340 Basispunkten. Ansonsten bewegen sich die Margen zwischen 2 und 22 Basispunkten. 

Doch Start-Ups wie TransferWise rütteln an diesem Geschäft, indem sie nur einen Bruchteil der typischen Bankgebühren für internationalen Geldtransfer berechnen. Welche Bedeutung Investoren derartigen neuen Modellen zumessen, zeigt die jüngste Finanzierungsrunde von TransferWise, bei der das Unternehmen mit 3,5 Milliarden Dollar bewertet wurde.

Die spannendsten Beispiele neuer digitaler Zahlmethoden sind derzeit in Asien zu sehen. Dort profitieren die neuen Anbieter von der Tatsache, dass sich in diesen Ländern bislang keine der klassischen Payment-Lösungen richtig durchsetzen konnte. Entsprechend aufgeschlossen zeigen sich Händler und Verbraucher gegenüber mobilen Payment-Apps. Zudem sind diese Apps nicht nur zur Bezahlung von Einkäufen zu nutzen, sondern bieten ein größeres Ökosystem an Services. Grab und Go-Jek beispielsweise starteten ihr Business mit Chauffeurdiensten. Inzwischen beinhaltet die Grab-App auch eine Zahlungslösung, man kann sich Essen liefern lassen, Hotels buchen, Videos sehen, Eintrittskarten kaufen und seine Reisen organisieren.

Grafik 2: Payment-Apps in China bieten inzwischen ein komplettes Ökosystem an Dienstleistungen

Geschäft mit dem Zahlungsverkehr stärken

Laut Bain bedeutet diese Entwicklung nicht notwendigerweise, dass Payment-Anbieter keine attraktiven Margen mehr generieren können. Aber sie müssen die Spielregeln ändern. Einige tun dies bereits durch Mergers und Acquisitions, um auf diese Weise effizienter in der Prozessabwicklung oder innovativer zu werden sowie um neue Märkte oder Branchen zu erobern. Entsprechend explodierten die Übernahmen im Fintech-Bereich in den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 auf 117 Milliarden US-Dollars. Das sind laut Deallogic mehr als in den vergangenen drei Jahren zusammen. Darüber hinaus erweitern viele Acquirer ihr Serviceangebot an die Händler und bieten beispielsweise Kredite für Händler und Verbraucher oder entwickeln Business Management Software.

Entsprechend sehen die Bain-Berater für klassische Payment-Anbeiter drei Optionen, ihr Geschäft rund um Bezahlsysteme und den damit verbundenen direkten Kundenkontakt zu verteidigen:

1. Übernahme von Wettbewerbern: Dies erhöht nicht nur die Effizienz und Innovationsgeschwindigkeit. Auch lassen sich so weitere Märkte und Geschäftsfelder erschließen sowie Cross-Selling-Möglichkeiten schaffen.

2. Vereinfachen von E-Commerce-Transaktionen: Erreichbar ist dies beispielsweise durch die Integration von Bezahlfunktionen – eine Option insbesondere für Einzelhändler.

3. Ausbau des Leistungsspektrums: Vorreiter bieten schon heute zahlreiche Lösungen rund um den eigentlichen Bezahlvorgang an. Diese reichen von der Unterstützung bei der Betrugserkennung über die Auswertung von Bezahldaten bis hin zur Kreditvergabe an Verbraucher und Händler. Derartige Mehrwertdienste werden den Prognosen von Bain & Company zufolge in zehn Jahren zwischen 50 und 80 Prozent der Gewinne von Bezahlsystemanbietern ausmachen.

Grafik 3: Mögliche Entwicklungshorizonte für Payment-Anbieter